Ausgestoßen
Ich beginne mein Buch „Die Freiheit in mir“ mit einer Szene, die sich während des sogenannten „Lockdowns für Ungeimpfte“ in Wien zutrug, in meinen Augen der absolute Tiefpunkt der Corona-Zeit. Ich habe diesen Einstieg gewählt, um die Absurdidät des Erlebten zu beschreiben und zu zeigen, welchen Repressionen Ungeimpfte täglich ausgesetzt waren. Erlebnisse wie diese bewogen mich letztendlich, meinen Wohnsitz aufzugeben und loszuziehen.
Ich betrete eine städtische Bibliothek. Der Raum ist leer, hinter einer Plexiglasscheibe sitzt eine Mitarbeiterin mit FFP2-Maske. Sie sieht mir ängstlich entgegen und sagt: „Ich brauche bitte einen 2G-Nachweis.“ „Ich will nur diese Bücher zurückgeben.“ Die Frau überlegt kurz und antwortet: „Sie müssen mir das beim Eingang übergeben oder beim Rückgabeautomaten in einer anderen Filiale.“ Mir fällt nichts Besseres ein als: „Und was jetzt?“, und gehe zum Eingang zurück. Die Frau zögert kurz – der Raum ist nach wie vor leer - und kommt hinter ihrer Scheibe hervor. Bei der Türe drücke ich ihr die Bücher in die Hand und sehe die Verunsicherung in ihren Augen. Ich drehe mich um und gehe, ausleihen darf ich nichts. Und dann stehe ich draußen und weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
Es ist Jänner 2022 und wir befinden uns im sogenannten Lockdown für Ungeimpfte. Menschen, die nicht gegen Covid 19 geimpft sind und die Krankheit noch nicht durchgemacht haben, werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Seit Monaten ist es mir nicht erlaubt, Dinge zu tun, die mir Freude bereiten: im Kaffeehaus sitzen, Kino oder Konzerte besuchen, schwimmen gehen. Seit Monaten rede ich mir ein, dass ich nichts davon vermisse – einfach, um bei Verstand zu bleiben. Denn natürlich bin ich wütend und traurig zugleich. Ich kann nicht begreifen, was hier geschieht, und noch weniger, weshalb es so viele hinnehmen. Weil ich selbst über meinen Körper entscheiden möchte, werde ich behandelt wie eine Aussätzige.
Ich betrachte mein Buch als Beitrag zur Corona-Aufarbeitung. Ich werde nicht aufhören, darauf hinzuweisen, wie viel Unrecht während jener Zeit geschah, auch wenn das viele nicht hören wollen. Da ich jedoch nicht gerne in der Opferrolle verharre, sehe ich das Buch auch als Aufforderung, in die Selbstwirksamkeit zu kommen. Mit meinem Nomadenleben habe ich genau das getan: In den vergangenen vier Jahren habe ich in Gemüsegärten und als Katzensitterin ausgeholfen, habe lebhafte Kinder und freundliche Hühner bereut. Auf meiner Reise bin ich vielen Menschen begegnet, die selbst über ihr Leben bestimmen möchten. Menschen, die ihr Hamsterrad verlassen haben, in Gemeinschaftsprojekten leben, regenerative Landwirtschaft betreiben oder ihren Kindern freie Bildung ermöglichen.
Mit meinem Buch möchte ich dazu ermutigen, den ganz eigenen Weg zu gehen. Und daran erinnern, dass es an uns selbst liegt, wie wir mit den Schatten der Vergangenheit umgehen.



Danke! Da fallen mir so viel Absurditäten aus dieser Zeit ein, da könnte man ein Horrorkabarett machen daraus... aber danke auch für den Verweis auf die Selbstermächtigung, hat viel bewegt.