Mit mir verbunden
Ein weiteres herausforderndes Jahr neigt sich dem Ende zu, wohl nicht nur für mich. Ein Erlebnis dieses Sommers fasst es ganz gut zusammen: während meines Aufenthaltes an einem wunderschönen und friedlichen Ort gab es einen Tag, an dem mir aus dem Nichts speiübel wurde. Nachdem ich mein Innerstes nach Außen gekehrt hatte, wollte ich nur noch schlafen, und das tat ich zehn Stunden lang. Am nächsten Tag fühlte ich mich frisch und ausgeruht und tanzte bei einem zweistündigen Wave mit wenigen Pausen durch.
Am Boden zerstört sein, mich aufrappeln und weiter machen – das scheint auf mein derzeitiges Leben ganz gut zuzutreffen. Nach drei Jahren Nomadenlebens habe ich mich mehr als einmal gefragt: warum tue ich mir das noch an? Warum finde ich nicht endlich einen Ort, an dem ich zur Ruhe kommen kann? Und dann kommt wieder ein Angebot, das etwas in mir zum Klingen bringt, und die Reise geht weiter.
Ich habe in diesen vergangenen Monaten viele Menschen getroffen, die ebenso mit sich zu kämpfen scheinen, auf die eine oder andere Weise. Jede einzelne Begegnung hat etwas in mir ausgelöst, hat mich gestärkt oder mich nachdenklich gestimmt. Es gab Momente, in denen ich mich falsch fühlte, nirgendwo zugehörig. Und dann wieder verbunden mit mir und dem Leben. Bei all den Begegnungen habe ich auch erkannt: es gibt Menschen, von denen ich lernen kann, anderen bin ich Inspiration und Vorbild. Und sehr oft ist es ein Geben und Nehmen.
Eine der größten (Wieder-)Erkenntnisse dieses Jahres: nur wenn ich gut bei mir bin, kann ich den Stürmen da draußen standhalten. Dabei helfen die Fragen: Was brauche ich gerade? Wie kann ich mit mir selbst verbunden sein?
Bei einem Seminar, das ich besuchte, weil ich nicht mehr weiter wusste, tauchte ein Satz in meinem Kopf auf: Ich muss nicht im Außen suchen, was ich bereits in mir trage. Das Bild des Ortes, an dem ich zukünftig wohnen werde, sehe ich bereits klar vor mir. Und was meine Arbeit betrifft, weiß ich nun: Ich werde mich weiterhin, mehr denn je, für einen Journalismus einsetzen, der zugleich unbequem und konstruktiv sein darf. Für eine Welt, in der Menschen menschlich bleiben, und erkennen, dass wir alle in einem Boot sitzen.


Danke für deine Gedanken. Drei Gedanken meinerseits dazu: geben und bekommen, mal aktiv, mal passiv, sich eben auch mal beschenken lassen ohne aktiv zu nehmen; zuhause bist du überall, wenn du in dir Heimat gefunden hast; kritischer Journalismus muss immer konstruktiv sein, sonst bewirkt er nichts beim not-wendenden Wandel. Alle drei sind auch für mich große Herausforderungen, an denen ich immer wieder zu scheitern drohe und doch sind sie zu meinen Lebensaufgaben geworden. Let's go!