Verstand und Gefühl
Die meisten von uns sind darauf konditioniert, den Verstand vor das Fühlen zu stellen. In der Schule wurde uns beigebracht, hochkomplizierte mathematische Aufgaben zu lösen und historische Daten auswendig zu lernen; für die Schulung der Intuition oder das Benennen von Gefühlen blieb wenig Raum.
In dieser Zeit der wachsenden Ungewissheit, in der wir uns fragen, was wir noch glauben können; angesichts einander widersprechender Meldungen, dem allgegenwärtigen Einfluss von Algorithmen und KI, erscheint es mir immer wichtiger, auf die eigene Lebenserfahrung und Intuition zu vertrauen.
Ich kann mich gut an meine erste Reaktion auf die Ankündigung einer Covid-Impfung erinnern: Es war ein klares und deutliches NEIN, das sich in meinem Inneren formte und das auf persönlichem Wissen und jahrzehntelanger Erfahrung beruhte. Dazu kam ein untrügliches Gefühl, das mich seit dem Beginn der Corona-Maßnahmen begleitete: dass hier etwas nicht stimmte. Die ungeheuerlichsten und menschenfeindlichsten Maßnahmen wurden mit Verweis auf „die Wissenschaft“ gerechtfertigt. Jeder Zweifel, jeder Widerspruch selbst hoch angesehener Persönlichkeiten wurde mit eben jenem Argument vom Tisch gefegt. Und doch beschloss ich, meinem Bauchgefühl zu vertrauen.
Die Sache ist die: Gefühle kann man eben nicht rational erklären, und doch begleiten sie uns durchs Leben. In Kombination mit bewusstem Denken sind sie unschlagbar. Und es zahlt sich aus, sich differenziert mit der Wissenschaft auseinander zu setzen: Es steht außer Frage, dass wir ihr zahlreiche Erkenntnisse verdanken, ohne die unser Leben heute anders aussehen würde– doch sie hat uns auch in so manche Sackgasse geführt.
Charles Eisenstein schreibt in seinem Essay “Wut Mut Liebe! Politischer Aktivismus und die echte Rebellion”:
„..Das ist kein Aufruf, die Wissenschaft aufzugeben. Es ist ein Aufruf, sie möge sich auf ihren heiligen Ursprung zurückbesinnen: Bescheidenheit. Von ihrer institutionellen Verknöcherung befreit, würde die Wissenschaft wahrscheinlich viele der etablierten Dogmen aufheben, die zurzeit als unantastbare Wahrheit gelten. Ich bin nicht der Einzige, der Erfahrungen gemacht hat, die die Wissenschaft für unmöglich oder für Unsinn hält, der von Heilmethoden profitiert hat, die von der Wissenschaft als Quacksalberei bezeichnet werden, oder der in Kulturen gelebt hat, in denen wissenschaftlich inaktzeptable Phänomene zum Alltag gehören.“
Andre Stern, Autor, Referent, Musiker und dafür bekannt, dass er nie eine Schule besuchte, sagt über sich verändernde wissenschaftliche Erkenntnisse:
„Unsere Sicht auf die Welt hat sich sehr verändert, zum Beispiel die Bäume: Früher hat man geglaubt, dass die großen Bäume die kleinen killen, heute weiß man, dass die großen die kleinen Bäume über die Wurzeln mit ernähren, sie ,stillen’ sie.. Man kann die Welt jetzt nicht mehr so wie früher darstellen, wo es hieß „Survival of the fittest“ und du musst der Beste oder die Schnellste sein, sonst wirst du untergehen. Alles, was die Wissenschaft früher fand, ging in diese Richtung: noch mehr Wettbewerb, mehr Gegeneinander - und in unserer Gesellschaft ist ja das wissenschaftlich Bewiesene wichtiger als das eigene Gefühl. Und nun plötzlich kommt sie und erzählt uns Dinge, die früher nur die Esoterik behauptet hatte: dass alles verbunden ist. Wenn du zum Beispiel Pilze aus dem Wald entfernst, sterben die Bäume.“


