Blinde Flecken
Manche mögen sich gefragt haben, weshalb ich hier immer wieder das Thema Gaza anspreche. Warum ist es mir so wichtig? Warum gehe ich nicht auch auf andere weltweite Kriege und Konflikte ein?
Ich möchte mit den Worten des Traumaexperten und Holocaust-Überlebenden Gabor Maté antworten: Gaza ist die moralische Frage unserer Zeit.
Zu viele wollen nach wir vor nicht wahrhaben, was in Gaza – und in der Westbank – geschieht. Warum? Weil es nicht sein darf. Zu lange galt Israel als das Opfer, das aufgrund historischer Verstrickungen in Schutz genommen werden muss. Besonders Deutschland und Österreich stehen hier in der Verantwortung.
Gabor Maté sagt dazu: „Die Absicht der Holocaust-Wissenschaft hat nichts damit zu tun, das Verhältnis der Welt zu Grausamkeit und Ungerechtigkeit zu verändern. Es geht darum, das Gefühl eines jüdischen Ausnahmestatus zu etablieren, sodass wir die ewigen Opfer sind und alles, was wir tun, gerechtfertigt ist.“
Argumente, dass nur Nahost-Experten einschätzen könnten, was in Gaza geschieht, lasse ich so nicht stehen. Was gibt es an einem gut dokumentierten und von der UNO bestätigten Völkermord nicht zu verstehen? 70 000 Menschen wurden in den vergangenen zwei Jahren getötet, darunter 20 000 Kinder. Und das Leiden nimmt kein Ende.
Weshalb wird Israel für den Völkermord nicht zur Verantwortung gezogen? Warum wird Netanjahu weiterhin von westlichen Politikern hofiert?
Über manche Themen muss ich schreiben, auch wenn es noch so schmerzhaft ist. Manchmal schreibe ich, um meine Wut zu zähmen. Da, wo es Ungerechtigkeit gibt, erhebe ich meine Stimme. Ich schaue dort hin, wo andere blinde Flecken haben, wo mit zweierlei Maß gemessen wird.
Die anhaltenden weltweiten Proteste angesichts des palästinensischen Leids machen Hoffnung, sie sorgen dafür, dass Israels Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten. Die Aufklärung durch unabhängige Journalisten, das Sichtbarmachen des Unrechts könnte einen Wendepunkt darstellen.
Die Journalistin Aya Velazquez schreibt: „..Und man sollte sich nicht täuschen lassen: Was den Menschen in Gaza angetan werden darf, das darf uns allen angetan werden.“
Für das Multipolar Magazin habe ich die Entwicklung in Gaza in den vergangenen zwei Jahren dokumentiert.


